Donnerstag, 3. april 2008
Vier Erstklässler diskutieren was sie später einmal werden möchten, darunter meine Tochter. Die drei Mädels sind unterschiedlich wie sie nur sein können und der Junge kommt kaum zu Wort, fast wie im echten Leben.

Sonja tönt laut los, ich will wenn ich groß bin Mama werden, genau wie meine Mama, da kann man dann den ganzen Tag auf dem Sofa sitzen und Fernsehen. Wohl gemerkt, Sonjas Mama geht täglich drei Stunden arbeiten wenn Marinna und ihre zwei Geschwister in der Schule sind.

Entsetzt schaltet sich Susi ein, wie deine Mama sitzt den ganzen Tag auf dem Sofa, also ich will auch heiraten und dann wie meine Mama zwei Babys und im Büroarbeiten, nur wenn ich heirate, dann einen Mann der nicht wie Papa so viel arbeitet.

Paul zuckt die Achseln, also ich werde Papa wenn ich groß bin und dann werde ich noch Jäger. Wenn ich aber Papa bin, dann spiel ich ganz viel mit meinem Kind und nehme es auch mit in den Wald. Naja und Glaser wie Papa und Feurwehrmann und sowas mache ich dann auch noch, das geht schon nebenbei alles.

Da fragt Sonja meine Tochter: "Und du? Heiratest du auch und bekommst auch ganz viele Kinder?". Meine Tochter antwortet mit Bestimmtheit: "Also ich will dann erst Mal arbeiten, heiraten kann man später immer noch".

Paul schaut entsetzt: "Wie du willst nicht heiraten? Naja, ich aber schon. Wenn du zu lange wartest, dann gibt es keine Männer mehr".

Sonja fragt: "Was arbeitet eigentlich deine Mama?".

Meine Tochter strahlt übers ganze Gesicht und sagt voller Stolz: "Also meine Mama schreibt, die kann wirklich schreiben und so ab und an schreibt sie sogar Mal ein Buch für mich. Aber meistens schreibt Mama andere Sachen, weil sie damit ihr Geld verdient".

Sonja sagt grinsend: "Meinst du deine Mama kann für das Bilderbuch was ich gemalt habe auch etwas schreiben? Ich geb ihr auch mein Eisgeld, meinst du das reicht?"

Naja, den gefallen hab ich Sonja getan und natürlich durfte Sie ihr Eisgeld behalten. Doch in diesem Vierergespräch wird wieder einmal deutlich, dass Kinder ihre Eltern als Vorbild nehmen und nur wahrnehmen was sie auch sehen. Da ich zu hause arbeite weiß meine Tochter genau was ich tue. Bei Susi sind Ausflüge in Mamas Büro an der Tagesordnung. Sonja erlebt ihre Mutter einfach nur als Mutter und Hausfrau, da wenn Mama arbeitet es ja keiner sieht. Und Paul, ja Paul, Paul möchte einfach Papa gefallen und das ist manchmal gar nicht so einfach.



von Tanja Tasci veröffentlicht in: Was ist hier passiert Community: Balance
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